„Schmeckt nicht!“ „Mag ich nicht!“ „Nicht gut!“ Wer kennt es nicht?

Als Kleinkind-Mama habe ich Verständnis für beide Seiten, jedoch – besonders in dieser Sache – noch ein wenig mehr für dich, liebe Mama.

Weil ich weiß, dass du es gut meinst, dass du es richtig machen willst und dir die Gesundheit deines Kindes am Herzen liegt.

Dennoch: für ein niedriges Stresslevel und ein harmonisches Miteinander zu Hause, aber vor allem für langfristig mehr Erfolg für dein Anliegen: vertraue darauf, dass dein Vorbild mehr bewirkt als jede Regel.

Hier möchte ich dir meinen Weg zeigen, wie ich zu einem entspannten Umgang mit der „heiklen Phase“, der „schmeckt nicht“-Phase, gefunden habe.

Weitere Tipps bekommst du übrigens hier: 9 Ideen für einen Wochenplan für heikle Esser

 

1. Fokussiere auf deine eigene Ernährung! Sei Vorbild! Gebe Sicherheit!

Konzentriere dich – allerspätestens wenn dein Kind mit am Tisch sitzt – vor allem auf deine eigenen Ernährungsgewohnheiten!

Aus zwei Gründen: der Gedanke, extra für dein Kind gekocht zu haben, kann in der „heiklen Phase“ schnell für Frustration sorgen. Dann ist die gemeinsame Mahlzeit schnell von Vorwürfen und Enttäuschung überschattet.

Kinder müssen – evolutionär bedingt – erst Vertrauen in neue Nahrungsmittel gewinnen, um sich sicher zu sein, dass das Angebotene gut und nicht gefährlich für sie ist. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus.

Durch ein entspanntes Miteinander am Esstisch und die Vielfalt auf Mamas oder Papas Teller kommt dieses Vertrauen mit der Zeit. Und damit auch die Motivation, etwas Neues zu probieren. Nicht sofort, aber langfristig betrachtet.

Studien besagen, dass ein Kleinkind den genussvollen Verzehr eines Lebensmittels bis zu 15 Mal bei einer Vertrauensperson beobachten muss, bevor es selbst zugreift. Anders ist das natürlich bei hochkalorischen, gesüßten oder fetten, Lebensmitteln. Auch dafür hat die Evolution gesorgt.

Denn unser Überlebensinstinkt sagt nach wie vor, dass uns Kalorienbomben ausreichend Energie für Hungerperioden mitgeben und sie deshalb besonders gut für uns sind. Und ganz nebenbei gesagt ist die Vorliebe für Süßes angeboren.

Somit gilt: was Mama regelmäßig mit Genuss verspeist, möchte ein Kind (irgendwann) selbst probieren.

Ein Tipp am Rande: meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein Kind, das in erster Linie Vollkornnudeln, Vollkornsemmeln und Vollkornbrot kennt, „Vollkorn“ für das Normalste auf der Welt hält.

Eine weiße Semmel (oder „Brötchen“) geht zwar immer, aber braune Nudeln und kleine Kinder können von Anfang an gute Freunde sein, sofern sie sich früh genug kennenlernen.

 

2. Mithelfen lassen!

Ob Ei schälen, Obst waschen oder Gemüse schneiden. Besonders wenn dein Kind danach verlangt, eine konkrete Aufgabe selbst zu tun, schaffe die Voraussetzungen, die dies ermöglichen.

Statt die Angst vor dem scharfen Messer siegen zu lassen, suche ein passendes Messer – nicht zu stumpf und nicht zu scharf – und lass dein Kind wissen, worauf es besonders achten muss.

Statt einem „schneide dich nicht in den Finger“ zeige ihm, wie es die Tomate am besten hält, um Verletzungen zu vermeiden.

Sei in der Nähe und korrigiere falls nötig. Übung macht den Meister und bald wird diese Aufgabe ganz leicht von der Hand gehen. Das heißt noch lange nicht, dass wir unsere Kinder unbeaufsichtigt mit Messern spielen lassen.

Einfache Aufgaben wie das Tisch-Decken können wir unseren Kindern ebenso überlassen oder sie entsprechend anleiten. Die Gabel muss nicht perfekt liegen und das Glas nicht genau dort stehen, wo es immer steht. Hauptsache jeder hat alles, was er braucht und alle haben mitgeholfen.

Lass dein Kind spüren, was es alles schon kann. Bestärke und unterstütze es darin, Dinge selbst zu tun. Das stärkt das Selbstbewusstsein, macht Mut, etwas Neues auszuprobieren und Lust, das selbst Zubereitete zu kosten.

Eine selbst gepflückte Ribisel kann spannend sein, obwohl sie eigentlich zu sauer ist (auch wenn sie nicht zur Lieblingsbeere wird). Selbst gewaschenes bzw. geschnittenes Obst ist interessanter als das lustigste Obstgesicht auf dem Teller. (Einen Eis-Clown braucht es übrigens hingegen nicht.)

 

3. Perspektive wechseln!

„Mein Kind isst nichts!“ „Mein Kind isst nur…“ „Mein Kind isst kein…“.

In der Hektik des Alltags und neben tausend Dingen, die wir täglich organisieren und bedenken, ist jedes „mag ich nicht“ ein herber Rückschlag.

Wieder gesund gekocht, wieder erfolglos geblieben. So fühlt es sich zumindest oft an. Und unsere Aufmerksamkeit bleibt bei den vielen Neins hängen.

Deshalb lade ich dich jetzt einmal kurz zu einem Perspektivenwechsel ein:

Sag mal, wovon isst dein Kind denn eigentlich viel und gerne?

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und gehe in dich. Dir fallen sicher einige Dinge ein, die dein Kind sehr wohl isst. Die Liste wird vielleicht nicht endlos lang oder vielfältig sein, aber es wird wohl mehr darauf stehen als Nudeln. Oder?

Vielleicht isst dein Kind Erbsen oder Gurke. Vielleicht isst es bestimmte Brotsorten besonders gerne oder mag eine Käsesorte überhaupt nicht. Und schreibe die Lebensmittel und Gerichte unbedingt so genau wie möglich auf. Nicht Nudeln, sondern Spiralen und Farfalle. Nicht Suppe, sondern Erbsencremesuppe und Minestrone. Und so weiter.

Schenke den Abneigungen UND Vorlieben deines Kindes Aufmerksamkeit. Auch im Sinne deiner Nerven.

Die Abneigungen werden nach und nach den Vorlieben weichen und irgendwann ist auch diese „Phase“ überstanden. Am besten mit möglichst wenigen Konflikten und einem guten Gefühl im Bauch, wenn dein Kleines plötzlich unerwartet eine neue Obst- oder Gemüsesorte ausprobiert, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht, weil es sich einfach gerade pudelwohl fühlt und ihr einen herrlich entspannten Moment miteinander verbringt.

 

Zusammenfassung

  1. Habe deine eigene Ernährung im Fokus. Ernähre dich selbst weitgehend ausgewogen, abwechslungsreich und vollwertig. Kinder ernährungsbewusster Eltern werden langfristig gesunde Ernährungsgewohnheiten entwickeln. Trotz Phasen der Vorsicht und Skepsis.
  2. Traue deinem Kind unter Beaufsichtigung zu, in der Küche mitzuhelfen und immer wieder auch neue Aufgaben zu übernehmen. Lass es mittendrin sein, statt nur dabei.
  3. Respektiere die Vorlieben und Abneigungen deines Kindes. Lass ihm Zeit, sich an Neues heranzutrauen und vertraue darauf, dass es selbst immer wieder den ersten Schritt machen wird.

Ich glaube fest daran, dass eine gesunde Ernährung entspannt umsetzbar ist und bei allen Familienmitgliedern langfristig für mehr Wohlbefinden sorgt.

Bei gemeinsamen Mahlzeiten und deren Zubereitung sollen unvergessliche Erinnerungen geschaffen werden. Vielleicht nicht täglich, aber regelmäßig. Und vielleicht nicht sofort, sondern wenn alle Familienmitglieder bereit dafür sind. Weil die Kleinen sehen, wie sehr die Großen das gemütliche Beisammensein bei Tisch genießen.

Wenn du mehr zum Thema lesen willst, lasse ich dir hier noch einmal den Link zu diesem Beitrag da: 9 Ideen für einen Wochenplan für heikle Esser