Ich habe einmal eine Tagesmutter gefragt, wie es nur im Ansatz möglich ist, neben sechs Kleinkindern jeden Tag um 12 Uhr ein frisch gekochtes Mittagessen auf den Tisch zu stellen. Aus ehrlichem Interesse habe ich gefragt. Ich konnte es mir mit dem besten Willen nicht vorstellen. (Ihre Antwort verrate ich dir weiter unten.) Mein Baby war zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Wochen alt und ich hatte gerade realisiert, dass Kochen nicht einfach die „Zubereitung der Mahlzeit“, sondern gefühlt tausend Arbeitsschritte umfasst.

Was ich damit meine? Ich erkläre es dir anhand einer Geschichte, nämlich jener als ich beschloss für eine Einladung einer Runde Mütter einen Kuchen anzubieten. Eine Weile überlegte ich, ob ich wirklich selbst backen wollte, doch dann…

Wie aus 20 Minuten 2 Stunden wurden

Entscheidung getroffen, Backen eingeleitet, Waage mit Schüssel aufgestellt, erste Zutat (das Mehl) eingewogen… Baby schreit… Ok, das war es erst einmal mit dem Backen… eine halbe Stunde und ein gesättigtes Baby später: zweite Zutat eingewogen (die Nüsse)… Baby gluckst noch fröhlich. Alles klar, da geht noch was… und die dritte Zutat (das Öl) untergerührt… Baby plötzlich nicht mehr so fröhlich, Backen unterbrochen. Ok, was ist zu tun? Windel wechseln? Zur Sicherheit. Kuscheln? Sowieso. Hunger? Echt jetzt? Haben wir doch gerade erst… Eine Stunde später hat es der Kuchen dann ins Backrohr geschafft. (Aufgeräumt wurde am Abend.) Somit hat ein Kuchen, der normalerweise eine Arbeitszeit von 20 Minuten hat, stolze zwei Stunden (brutto versteht sich) gebraucht.

Irgendwie war es für mich damals ernüchternd. Einfach, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstanden hatte, dass die Dinge mit Baby eben anders laufen und es ok ist, wenn Manches länger dauert und nicht in einem Zug erledigt wird. Und dass es nicht hieß, dass ich es nicht auf die Reihe bekam.

 

Kartoffel-Schälen im Garten

Die Tagesmutter jedenfalls antwortete: „Ich beginne um 9 Uhr mit dem Kartoffel-Schälen. Und ich nehme die Kartoffeln zum Schälen in den Garten mit.“

Für manche mag es langweilig erscheinen, aber ich persönlich liebe Routinen (zumindest im Alltag). Und ich hätte in den ersten Monaten mit Baby gar nicht daran gedacht, dass es nicht nur ok sondern sogar normal und notwendig ist, manche Routinen über Board zu werfen. Und nicht nur meinen Schlafrhythmus, sondern auch meine alltäglichen Abläufe an mein Kleines anzupassen.

Genau deshalb möchte ich dir hier drei Tipps mitgeben, wie du in der ersten Zeit mit Baby entspannter an das Thema Kochen herangehst.

1. Du darfst es dir leicht machen!

Gesunde Ernährung ist auch möglich, wenn du dir ein paar Arbeitsschritte bewusst ersparst. Das funktioniert zum Beispiel mit tiefgekühltem Gemüse. Egal ob Brokkoli, Erbsen oder Gemüsemischung. Wenn du dir das Waschen und Schneiden des Gemüses ersparst, ist schon viel gewonnen. Zumindest an Tagen, die nicht wie geplant verlaufen.

Außerdem kannst du bei der Auswahl der Zutaten darauf achten, dass du wenig Gemüse zu schälen hast und dass du beim Getreide eher zu jenen Produkten oder Sorten mit kurzer Kochzeit greifst (Hirse, Couscous oder Polenta zum Beispiel).

 

2. Große Aufgaben in kleine zerlegen

Erledige den ein oder anderen Arbeitsschritt für deine nächste Mahlzeit sobald du Gelegenheit dafür findest. Wenn du dir zu Mittag zum Beispiel ein Fischfilet ins Rohr schieben möchtest, kannst du die Süßkartoffeln oder Karotten als Beilage schon in der Früh oder am Vormittag schälen und in Stifte schneiden. Wann immer du eben ein paar Minuten dafür hast. Dann müssen sie kurz vor dem Essen nur noch ins Backrohr.

 

3. Veränderung annehmen

Die Erwartungen an die Zeit mit Baby haben meistens nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun. Von nun an bestimmt dein Kleines deinen Alltag und es ist ok, wenn du eine Zeit brauchst, bis du alles (wieder) im Griff hast. Ich habe zum Beispiel viel zu lange gebraucht, bis ich endlich daran gedacht habe, die Babytrage nicht nur zum Spazieren, sondern auch für Erledigungen zu Hause einzusetzen.